Albanien

Vor ungefähr zwei Wochen hatte ich die Möglichkeit Dr. Marianne Graf (Vorstandspräsidentin der Hilfsorganisation Albania-Austria) auf einer Reise durch Nordalbanien und in den Kosovo begleiten zu dürfen. Seitdem hat sich mein Leben ungefähr drei Mal um die eigene Achse gedreht und wieder zurück. Was ich gesehen habe ist ein Land, welches 50 Jahre in einem Krieg war, vor dessen Gräuel  die ganze Welt ihre Augen bis jetzt verschlossen hat.

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Es ist kein Blut geflossen, aber wie Marianne es so schön ausgedrückt hat, ist ihm das Schlimmste passiert, was einem Land zustoßen kann: Kommunismus in seiner reinsten Form. 50 Jahre nichts zu besitzen und sukzessive von der Außenwelt abgeschottet zu sein hinterlässt Spuren und keine schönen. Zu sehen sind sind im ganzen Land Reste der Bunker, welche Enver Hoxha erbauen ließ. Heute repräsentativ für die Isolationspolitik des Landes. Damals Schutz zur Verteidigung im Falle einer Invasion durch ausländische Truppen, die nie kamen. Ein Bunker für je vier Albanier, also insgesamt 750 000. Die Schätzung wie viele tatsächlich gebaut werden konnten reichen von 200 000 bis 745 000.

 

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Man kanns ich Albanien ungefähr so vorstellen, wie dieses Haus: Von Außen sieht es so aus, als könnte man darin ganz gut leben. Wenn man genauer hinsieht, leben zwei Familien auf engstem Raum. Sie teilen sich sogar den Hausgang, in einem 15 Quadratmeter Zimmer schlafen sechs Personen und ernähren sich von einem wieder und wieder erhitzten Fettklumpen.

Ich habe bis jetzt schon gedacht, dass ich auf meinen Reisen so einiges von der Welt gesehen habe. Nur bis dato konnte man sich in Situationen in denen man mit großer Armut konfrontiert ist, die Ausrede parat legen, dass man alleine ja keinen Einfluss hat. Dieses Mal war das anders. Marianne Graf, Willi Graf und Skender Thaci tun genau das, wozu wir Normalsterblichen nicht im Stande sind: Sie helfen. Marianne selbst meint dazu:

In Hinblick auf ein starkes, gemeinsames, lebenswertes Europa dürfen wir es uns nicht leisten, zu schimpfen, dass zu wenig gegen Missstände und Not getan wird. Auch nicht hochgeistig theoretisieren, sondern Verantwortung übernehmen, die Ärmel hochkrempeln.

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Gerade „Verantwortung übernehmen“ geht mir immer wieder durch den Kopf. Verantwortung nicht nur für mein Leben, sondern für soziale Gerechtigkeit. Dafür, dass wir Lebensmittel und Textilien zu Preisen Lebensmittel kaufen zu dem diese nicht fair produziert werden können. Hat nichts mit Albanien zu tun – ist aber Teil des Ungleichgewichts.

Was mir Marianne mit auf meinen Weg gegeben hat ist, dass man keine Angst vor furchtbaren Dingen haben muss, diese bedeuten nur, dass das Gegengewicht umso größer sein muss. Eines dieser Gegengewichte hat Albanien als natürliches Geschenk mitbekommen. Vielleicht einer der wenigen Gründe, warum das Land noch immer still vor sich hin leidet und nicht in sich zusammenbricht. Die gewaltige Schönheit der Landschaft des Landes:

Neben den ernüchternden Erfahrungen, die mein Weltbild wieder etwas zurecht gerückt haben, gab es natürlich auch sehr viele schöne Momente, die zeigen was ein Mensch so alles bewirken kann. Bei einer abendlichen Diskussion kamen wir zu der Frage, welche Projekte einem besonders am Herzen liegen. Im Gedächtnis blieben mir die Kinder, in deren Augen man jetzt schon sieht, dass sie durch die Ausbildung eine Zukunft haben werden. Ich glaube was über alle Altersschichten hinweg zu sehen ist, ist die Hoffnung.

Es ist schwierig die Relationen zu bewahren. Am ersten Tag zu Hause war es noch einfach: Direkt aus dem Kosovo, wo das Ausmaß der Zerstörung indirekt durch den immensen Wiederaufbau zu sehen ist – da geht man mit anderen Augen durch die Altstadt von Graz. Plötzlich dankt man still dem Gott, an den man eigentlich nicht glaubt, für Dinge, die man davor nicht wirklich zu schätzen wusste.

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Der Alltag kommt und mit ihm verschieben sich wieder die Dinge, die einen bewegen. Von einem Moment auf den anderen verblasst das Bild einer Näherin, die einem ihr Schicksal erzählt hat und in den Vordergrund rücken alltägliche Sorgen, die eigentlich gar keine sind. Es dreht sich im Kreis. Wenn ich dann aber wieder Zeit mit Marianne und ihrem Mann Willi verbringe, in der ich soviel lerne über „wie es vielleicht gehen könnte“, weiß ich wieder wie glücklich ich sein muss für das was ich habe. Aber auch dass es noch ein langer Weg ist zum Ziel. In diesem Sinne hab ich noch einen ganzen Stapel Bücher und Taschen zu Hause, die ich euch liebend gerne zum Verkauf anbiete um in Albanien die Hoffnung weiter wachsen zu lassen.

Aufruf zur Mithilfe:

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